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Dieterskirchel

Die ältesten bekannten Spuren vom Dieterskirchel wurden beim Domherrn Anselm von Lüttich gefunden, der in seiner zwischen 1052 und 1056 verfassten Geschichte der Bischöfe von Lüttich über den gewaltsamen Tod des Hl. Theodard, die vorläufige Beisetzung bei der Mordstelle und die Übertragung der Leiche nach Lüttich folgendermaßen beschreibt: „Den Tag seines Martertodes begehen die Bewohner jener Gegend bis auf die Gegenwart jedes Jahr mit größter Feierlichkeit; und wenn sie den Heiligen auch nicht mit seinen Gebeinen bei sich haben, so erfreuen sie sich doch seiner Gegenwart durch die Huld, die er ihnen immer wieder erweist und durch die Wunder, die daselbst häufig geschehen.“

Ein Kirchlein zu Ehren des Hl. Theodard ist sonst nirgendwo nachgewiesen als bei Rülzheim. Nur das Dieterskirchel bei Rülzheim kann die Stelle bezeichnen, an der der Hl. Theodard im Jahre 671 oder 672 den Tod fand, an der spätestens seit dem 11. Jahrhundert der Jahrestag seines Martertodes feierlichst begangen wurde und wo auf seine Fürbitte hin häufig Wunder geschahen. So wird mehrfach von Wallfahrten und religiösen Feierlichkeiten und der Verehrung des Heiligen berichtet.

Im 14. Jahrhundert baute man ein größeres Kirchlein, wie sich aus der in der linken Außenwand eingesetzten Steinritzzeichnung erkennen lässt. Diese zweite Kirche war wesentlich größer als die jetzige Kapelle. Diese Kirche, die seit dem 16. Jahrhundert eine eigene Pfarrstelle besaß, überlebte den 30jährigen Krieg und bestand bis 1822. Während dieser Zeit erlebte das Kirchlein eine Fülle von Ereignissen. So verpflichteten sich in der Zeit der Rinderpest im 17. Jahrhundert die Rülzheimer alljährlich zum Fest des Hl. Rochus zu Fasten von Mensch und Tier bis zum Mittag, eine Prozession zum Dieterskirchel mit Predigt und Lobamt und zu dem Brauch, dass der weibliche Teil der Pfarrkinder an diesem Tage barfuß zum Gottesdienst gehen musste.

Das Zusammenströmen größerer Mengen Volkes hatte zwangsläufig einen Markt zur Folge. Dieser Markt, die Wallfahrer und Pilger mussten aber gegen Diebesgesindel, Räuber und Raufbolde geschützt werden. Im Mittelalter oblag diese Aufgabe dem Burgfauth von Germersheim. Offenbar ist ihm diese Aufgabe auf Dauer schwer gefallen, denn er ordnete an, dass der Markt künftig sicherheitshalber in den Mauern der Stadt Germersheim abzuhalten ist. Der Markt besteht heute noch in Form des Germersheimer Pfingstmarktes.
1824 wurde das Dieterskirchel als Folge eines Staatbankrotts, aber auch zur Erweiterung der Pfarrkirche abgerissen.

Seine Bausubstanz und seine Güter wurden versteigert. Das Dieterskirchel blieb zerstört, lebte aber weiter in den Bezeichnungen des Flur- und Waldplanes und vor allem im Andenken der Rülzheimer Bevölkerung.

Das heutige Dieterskirchel wurde von Pfarrer Eugen Weinspach in Angriff genommen und im September 1957 vollendet und eingeweiht.
Im Dieterskirchel werden heute Hochzeiten, Meditationen zu besonderen Anlässen, das jährliche Messdienerfest u.v.a.m. veranstaltet.

*) Vollständige Ausführungen siehe Ortschronik „Rülzheim im Wandel der Zeiten“ 1991

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