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Kath. Pfarrkirche St. Georg

Am 9. Februar im Jahre 1103 stiftete ein Edelmann mit Namen Hermann ein Kloster in Hördt. Über seine Herkunft und seinen Verbleib wurde schon viel gerätselt; eine klare Aussage über seine Person ist bis heute nicht möglich. Der Edle Hermann hat bereits vor der Schenkung eine Kirche im Dorf Hördt erbaut. Mit der Klostergründung wurde auch geregelt, dass der Klostervorstand die Verwaltung der Pfarrei mit jenem Priester ordnet, der die Pfarrkirche inne hatte. Mit dieser Bestimmung wurde offenbar, dass das Dorf zu jener Zeit eine große politische Gemeinschaft war, das eine Kirche hatte und eine Pfarrei bildete. Wann dies alles seinen Anfang nahm, darüber gibt es keine Beweise und man kann nur Vermutungen anstellen.

Der Standort der Dorfkirche in frühester Zeit war dort, wo auch heute noch die Kirche steht – auf dem „Jergenberg“. Mehr weiß man nicht von der Kirche als das, was in der Stiftungsurkunde des Klosters ausgesagt ist.

Im Jahre 1230 bestätigt Papst Gregor IX dem Bischof von Speyer die Schenkung des Klosters Hördt. Die Dorfkirche wird dabei als St. Georgskirche bezeichnet. Daraus ist ersichtlich, dass die Pfarrkirche nach ihrer Erbauung dem hl. Georg geweiht wurde.

Das Gotteshaus hatte schwere Zeiten überdauert. Die baulichen Ausmaße der Kirche bei der Errichtung waren sicherlich nicht groß. Nach unseren heutigen Vorstellungen hatte sie vielleicht die Ausmaße einer größeren Kapelle.

Der letzte Propst des Klosters, Petrus Krane, hat während seiner Amtszeit eine Lageskizze von Kloster und Dorf gefertigt und auch die Dorfkirche auf dem Jergenberg eingezeichnet.

Ende des 17. Jahrhunderts befasste man sich mit dem Plan, die Kirche zu reparieren oder zu vergrößern. Die Notwendigkeit einer Baumaßnahme wurde damit begründet, dass die Kirche zu klein sei und die Gläubigen nicht mehr fassen könne. Eine Vergrößerung war nicht erfolgt, denn 1698 wurde eine gründliche Restaurierung der Kirche und des Pfarrhauses vorgenommen. Das Problem des Fassungsvermögens der Kirche bestand immer noch. Es dauerte fast ein halbes Jahrhundert bis sich die zuständige Behörde in Heidelberg entschloss, an der Kirche grundlegende Änderungen vorzunehmen. Im Jahre 1738 ging man ernsthaft daran, an der Dorfkirche Umbaumaßnahmen durchzuführen. Die Kirche wurde total umgebaut. Am 22. März 1739 wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Die Grundsteinlegung erfolgte im April dieses Jahres. Für den Wiederaufbau der Dorfkirche wurde das Steinmaterial der Gebäudereste des Klosters verwendet.

Die Maße der Kirche sind in „Schuh“ angegeben, was ein gebräuchliches Maß dieser Zeit war. Demnach hatte die alte Kirche folgende Maße: Chorraum 6,2 x 6,2 Meter, das Kirchenschiff eine Länge von 10,80 Meter, eine Breite von 9,12 Meter und eine Höhe von 5,98 Meter.

Wie hoch die Baukosten waren ist nicht feststellbar. Im Oktober 1740 waren die Bauarbeiten soweit abgeschlossen, dass die Kirche ihrer Bestimmung übergeben werden konnte. Am 7. Oktober fand die Konsekration statt, die von Bischof Beyweg vorgenommen wurde. Als Tag der Kirchweih wurde der Sonntag nach St. Bartholomäus festgelegt (letzter Sonntag im Monat August). Den Kirchenbau zierte ein Turm, der die Form eines Dachreiters hatte und achteckig war. Der Dachreiterturm blieb in seiner Form erhalten bis zum Jahre 1935/36 als die Kirche erneut umgebaut wurde. Mit der Indienststellung der neu errichteten Dorfkirche glaubte man, den Bausorgen für lange Zeit enthoben zu sein. Jedoch die Entwicklung des Dorfes und seiner Bevölkerung schritt unentwegt weiter. Schon eine Generation später kamen Klagen auf, die Kirche sei zu klein.

1770 erfolgte dann eine Erweiterung der Kirche in westlicher Richtung. Es gab nur die Möglichkeit, das Langschiff der Kirche zu verlängern. An der Form der Kirche hat sich durch diese Maßnahme nichts wesentliches geändert. Von kleineren Reparaturen abgesehen überdauerte die Kirche immerhin 70 Jahre bis ein neuer Eingriff in die Bausubstanz erfolgte.

1844 berichtet der Pfarrer nach Speyer, dass die Kirche nur die Hälfte der Katholiken fasst. Sie sei in einem baufälligen Zustand, das Dach undicht und es regne vor den Altar. Eine Überprüfung ergab dass das Gebälk total verfault war und große Gefahr für Kirchenbesucher darstellte. Die Kirche musste geschlossen werden. Die Gemeinde als Baulastträger sah ein, dass etwas getan werden musste, wollte aber nur provisorische Abhilfe schaffen. Eine Notlösung hielt dann sechs Jahre. 1850 erfolgte unter dem Druck der misslichen Verhältnisse wieder eine Erweiterung der Kirche. Es gab jedoch nur die Möglichkeit, mit dem Mauerwerk in die Höhe zu gehen. So wurde die Kirche erhöht, weil es dadurch möglich wurde eine zweite Empore einzubauen. Im Frühjahr war Baubeginn und es wurde an der Nordseite eine zweite Sakristei angebaut, um einen Raum zur Aufbewahrung der Paramente zu haben. Außerdem wurde eine neue Orgel angeschafft. Die beiden Emporen wurden im westlichen Teil des Langschiffes eingebaut. Diese waren aber auch nur eine Notlösung; dem Raumproblem war auf Dauer nicht abgeholfen.

Schon 1880 wurde die Frage eines Kirchenumbaues wieder akut. Die Gemeinde war zuständiger Träger für die Kosten der Kirche. Verhandlungen zwischen dem Fabrikrat (Kirchenrat) und dem Gemeinderat brachten keinen Erfolg. Um von der Gemeinde unabhängig zu sein, entschloss sich der Fabrikrat einen Kirchenbauverein zu gründen. Er wurde 1886 ins Leben gerufen und bestand bis 1922. Der Verein setzte sich zum Ziel, die Finanzmittel für eine Kirchenerweiterung durch Sammlungen und Beiträge anzusammeln. Nach kurzer Zeit hatte der Verein bereits 362 Mitglieder, was beweist, welch großes Interesse bei der Bevölkerung an einem Umbau der Kirche bestand.

1890 wurde ein Architekt mit der Anfertigung von Plänen für eine Erweiterung der Kirche beauftragt. Größere Meinungsverschiedenheiten ließen einige Jahre ins Land gehen, jedoch eine Einigung wurde nicht möglich. Der missliche Zustand der Kirche wurde zwar von allen anerkannt, aber die Verantwortlichen konnten sich zu keiner Entscheidung durchringen. Nachdem sich auch die Gemeinde finanziell nicht beteiligen konnte, kam es nicht zu dem geplanten Vorhaben.

1914 brach der 1. Weltkrieg aus und jedem war klar, dass vor Ende des Krieges nicht mit dem Kirchenbau begonnen werden kann. Nach Ende des Krieges trat eine allgemeine wirtschaftliche Not ein. Hinzu kam noch die Inflation, die die angesammelten Kapitalien des Kirchenbauvereins vernichtete. Alle Voraussetzungen, die in langen Jahren geschaffen worden sind, waren mit einem Schlag zunichte gemacht.

Aus den guten Erfahrungen des Kirchenbauvereins von 1886 wurde wieder ein solcher Verein im Jahr 1926 gegründet. Nach langen Verhandlungen ob Neubau oder Umbau entschied man sich für den Umbau, der eine Erweiterung nach Osten und Westen vorsah. Am 25. März 1935 war dann Baubeginn. Am Chorraum wurde ein Querschiff angebaut und im Obergeschoss eine Empore für die Orgel und Sänger. Der Hochaltar kam in eine angebaute Konche zu stehen und der alte Chorraum stand für Sitzplätze zur Verfügung. Über der Vierung (alter Chorraum) wurde der Turmaufbau errichtet und der alte Dachreiter verschwand. Bei dem Umbau wurde stilistisch auf den Charakter der alten Kirche Rücksicht genommen. 1936 konnte die Kirche feierlich in Dienst gestellt werden.

Seit dem Umbau im Jahre 1740 ist die Innenausstattung mit drei Altären bekannt. Der Hochaltar ist dem hl. Georg geweiht, der linke Seitenaltar der hl. Jungfrau Maria von der unbefleckten Empfängnis und der rechte Altar dem hl. Nepomuk. In allen Altären sind Reliquien des hl. Vinzentius und des hl. Disiderius eingelassen. Der Taufstein stellt eine Seltenheit dar. Er ist ca. ein Meter hoch und aus weißem Sandstein gehauen, hat die Form eines Kelches und ist aus einem Stück gefertigt. An den Seitenwänden sind die Stationen des Kreuzweges angebracht. Die Bilder sind in Öl gemalt und stammen aus der Franziskanerkirche München.

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